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Museum Friedland

Die Stadtgeschichte von Friedland

„...Vredelant ... die alte, gute, stille Stadt ...“ dieser Satz aus der Festschrift zur 750-Jahrfeier Friedlands 1994 bringt den Wunsch nach Geborgenheit und Wohlergehen im Schutz ihrer Mauern nahe, doch im Laufe ihrer Geschichte war es nicht immer gut und still. Kriege, Brände, Not und viel Leid, begleiteten die Stadt an der Datze häufig auf ihrem Weg durch die Zeit.

 

Bereits für das 7. Jh. ist auf dem heutigen Stadtgebiet eine Burganlage belegt. Diese hat bis in das 10. Jh. durchgehend Bestand. Wohl mit dem Feldzug des Deutschen Kaisers Otto I. im Jahr 936 gegen die Redarier werden die „altslawischen“ Burganlagen unseres Gebietes zerstört. Bemerkenswert bleibt die Tatsache, dass von da an, mehr als 100 Jahre lang, keine der Burgen wiedererrichtet wird und auch keine neuen entstehen. War das Heiligtum des Lutizenbundes „Rethra“ inzwischen so erstarkt, dass dessen Priester daneben keine anderen Zentren zuließen?

Erst im 11. Jh., nach der Zerstörung von Rethra, entstehen neue slawische Burgen. Auch die „Friedländer Anlage“ ist ab diesem Zeitpunkt durch Funde und Befunde nachgewiesen. Die Burganlage „Friedland“ hatte einen annähernd quadratischen Grundriss und eine Fläche von ca. 1 ha. Sie lag am Knotenpunkt der alten Handels- und Heerstraßen - von Süden nach Norden sowie Osten nach Westen - durch die großen Moore und Niederungen Ostmeck-lenburgs. Dieser Umstand deutet bereits auf die Bedeutung der Anlage in frühgeschichtlicher Zeit hin. Neueste Forschungen gehen davon aus, dass es sich hierbei um den Hauptort des Landes Beseritz handelt.

Ein weiterer historischer Fakt muss für das spätere Land Stargard beachtet werden. Bevor das Land 1236 durch den Vertrag von Kremmen an die Askanier fällt, gehört es den Pommern und diese, zumindest deren Adel, hatte Otto von Bamberg (um 1060-1139) im Auftrag des polnischen Königs Bolesłlaw III. bereits 1124/25 und 1128 missioniert. Das bedeutet, die Bewohner waren Christen. Dafür spricht auch ein im slawischen Siedlungshorizont der Burg gefundener kreuzförmig durchbrochener Reliquiarbeschlag aus Bein. So könnten auch bereits im 12. Jh. die erste Kirche entstanden sein.

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Die Stiftungsurkunde der Stadt Friedland vom 6. März 1244 (Repro.: Museum der Stadt Friedland)

 

Den Askaniern, Johann I. und Otto III., bietet sich also bei der Stiftung ihrer Stadt Vredelant am 6. März 1244 ein funktionierendes Siedlungsgebilde mit “frühstädtischem Charakter“ im Grenzgebiet zu Pommern an. Bemerkenswert ist weiterhin die Entsendung von fünf Lokatoren zur Erbauung der Stadt, entspricht doch die Zahl der Ritter mit ihren Knappen und dazugehörigem “Volk“, zur damaligen Zeit einer recht ansehnlichen Streitmacht, was wiederum auf eine starke slawische Präsenz hinweist, die es zu “beherrschen“ gilt. Konrad von Zerbst wird zum Hauptmann bestimmt; Johann von Grevendörp und sein Bruder Heinrich sollen eine Wassermühle errichten. Außerdem benennen sie noch Friedrich von Kerkhagen und eine weitere Person, den “Beringer“. Letzterem scheint eine besondere Stellung eingeräumt zu sein. Ein früherer Beringer, ursprünglich aus Bamberg stammend, taucht in einer pommerschen Urkunde aus dem Jahr 1190 im Zusammenhang mit dem Bau der Jakobikirche in Stettin auf, als deren Erbauer er gilt. Ist vielleicht der “Friedländer Beringer“ derjenige, der als pommerscher Repräsentant die in der Stiftungsurkunde ausdrücklich festgeschriebenen Rechte der ansässigen Slawen wahren soll? Eine solche separate slawische Gerichtsbarkeit ist neben Friedland nur noch für Rostock belegt. Betrachtet man die Umstände in ihrer Gesamtheit, erscheinen derartige Überlegungen durchaus glaubhaft zu sein; Gewissheit darüber werden wir aber wohl kaum erlangen können.

Nach Ankunft der Lokatoren beginnen sie zunächst einen Teil der Burganlage zu beräumen und die äußeren Gräben zu vertiefen und zu verbreitern. Möglicherweise steht dieses Unterfangen mit dem Bau der Wassermühle durch den eingangs erwähnten Johann von Grevendörp in Zusammenhang (Wassermühlen wurden im Mittelalter als wichtige Grundlage für die Nahrungsmittelerzeugung befestigt). Die Burg kann anfänglich aber durchaus als administrativer Sitz der entstehenden Stadt gedient haben; vollendet worden ist das o.g. Vorhaben jedenfalls nicht. Mit der Erteilung von Privilegien zum Bau steinerner Befestigungsanlagen zum Schutz der Städte durch Fürst Heinrich II. von Mecklenburg 1304 ist die alte Burg ohnehin überflüssig und wird eingeebnet.

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Mit dem Bau der zum größten Teil aus Feldsteinen errichteten Befestigung wird 1304 begonnen. Der erste Torbau ist das Steintor (Anklamer Tor). Später kommt das Treptower Tor (im Dreißig-jährigen Krieg geschleift) und das um 1450 fertig gestellte Burgtor (Neubrandenburger Tor) hinzu. Die heute noch erhal-tenen beiden Stadttore zählen unzweifelhaft zu den gewaltigsten und architektonisch eindrucksvollsten Wehrbauten der norddeutschen Backsteingotik (Repro: Heimatmuseum Friedland)

 

Die planmäßige Bebauung Friedlands beginnt im Stadtkern, dem heutigen Marktplatz und setzt sich nach außen fort. Die Stadt ist so großzügig angelegt, dass der äußere Ring zwi-schen Südostseite-Wollweberstraße, Nordwestseite-Mühlenstraße, Nordostseite-Pferdemarkt (außer St. Nicolai) und Südwestseite-Färberstraße (außer Wassermühle) und den Ringstraßen - erst lange nach dem Dreißigjährigen Krieg bebaut wird. Die immer wieder kolportierte Hypothese von einer Angersiedlung um die Nicolaikirche im 13. Jh., als dem vermeintlichen Ursprung der Stadt, erwies sich im Zug der durch umfangreiche Ausgrabungstätigkeit erlangten Erkenntnisse als nicht mehr haltbar. Zunächst entstehen neben der Umwallung mit Palisade und Toren aus Holz die Straßen. Diese sind “Bohlenwege“. Auf sie stoßen die Archäologen noch heute an vielen Stellen im alten Siedlungshorizont. Der mittelalterliche entspricht nicht der heutigen Oberfläche, denn die nacheiszeitliche Profilierung weist Hügel, Täler und tiefer liegende Feuchtstellen von mehreren Metern Höhenunterschied auf und ist erst im Verlauf der Jahrhunderte an einigen Stellen eingeebnet, an anderen teilweise bis zu drei Metern hochgesiedelt worden. Durch dendrochronologische Untersuchungen sind die ersten deutschen Bauten auf das Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre datiert. Die Stadt wurde aber doch schon 1244 gestiftet? Dieser Prozess ist in etwa so vorstellbar: die Askanier beschließen nach dem Vertrag von Kremmen, ihr neu erworbenes Land zu sichern und nach ihrem Willen zu besiedeln. Es müssen demnach deutsche Bauern, Handwerker, Händler und andere in dieses Gebiet geführt werden, sie sind ja noch nicht da. Also stiften sie Städte (Stadtburgen, da diese befestigt wurden) an den neuen Grenzen und beauftragen Lokatoren mit ihrer Erbauung. Diese stellen nun mit Privilegien ausgestattete Siedlungswillige, Vieh, Saatgut, Lebensmittel, finanzielle Mittel, Baumaterial, Werkzeug und vieles andere mehr zu einem Treck zusammen und ziehen in ihre neue Heimat. Von den Vorbereitungen über den Zug selbst bis hin zur ersten Einrichtung nach dem Ankommen vergehen mehrere Jahre. Das heißt also: Stiftung und Baubeginn erfolgen nicht unbedingt zum selben Zeitpunkt. Der Werdegang verlief in fast allen Städten unseres Gebietes ähnlich.

Friedland gelangt bereits in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens zu wirtschaftlicher, vor allem aber militärischer Bedeutung als nordöstlichste Grenzburg (städtische Großburg) zu Pommern, in deren Hinterland dann weitere Städtegründungen folgen. Bevorzugt durch umfangreiche Privilegien erhält es 1276 auch noch das Zollrecht Neubrandenburgs und sechs Jahre später den Friedländer Marktzoll zugesprochen. Neubrandenburg erkauft 1366 seinen Zoll unter der Maßgabe, dass Friedländer Bürger in Neubrandenburg weiterhin zollfrei sind. Die gute finanzielle Ausstattung Friedlands erlaubt 1296 den Kauf des Dorfes Schwich-tenberg und zwischen 1327 und 1331 den Erwerb von 12 Hufen Land in Lübbersdorf, deren Besitz wird der Stadtfeldmark zuerkannt. Handwerk und Handel erblühen, so dass die Schuhmachergilde 1320 von Ritter Engelke Manteufel in Rattey eine „?Hebung“ kaufen kann. Aus dem Jahr 1343 ist eine Zunftrolle der Krämer überliefert. 1350 werden die Rechte der Fleischhauer bestätigt. Die Kirchgemeinde von St. Marien erwirbt 1421 das Dorf Sandhagen, dessen Besitz Herzog Johann III. ihr 1434 bestätigt.

Vom Anfang des 14 Jh. gibt es Quellen zum Friedländer Schöffenstuhl, einer städtischen Einrichtung, die mit landesherrlichen Privilegien ausgestattet ist und den Friedländern das Recht einräumt, sollte einer von ihnen irgendwo eines Vergehens beschuldigt oder in einen Rechtsstreit verstrickt sein, kann er zu seinem Fall in Friedland Recht sprechen lassen. Eben dieser Schöffenstuhl ist einer der Schlichter beim Vertragsschluss von Vietmannsdorf 1304, in dem Heinrich dem Löwen von Mecklenburg das Land Stargard als Lehens bestätigt wird. Weiterhin schließen die gegnerischen Parteien im „?Markgrafenkrieg“ 1315/16, der blutigsten Fehde des mittelalterlichen Mecklenburgs, in Friedland 1350 endgültig Frieden. Der Schöffenstuhl als Institution verliert erst mit dem Dreißigjährigen Krieg seine Bedeutung.

Die Stadt war durch ihre geographische Lage bedingt immer in einer misslichen Situation. Anfänglich als askanische Grenzburg zu den Pommern eingerichtet, lebten diese als Gegner vor den Toren. Durch die Heirat Heinrichs II. mit Beatrix, Tochter des brandenburgischen Markgrafen Albrecht III., kommt 1292 das Land Stargard, wahrscheinlich als “Wittum“ für Beatrix, an Mecklenburg. Nach dem Tod von Beatrix 1314 entbrennt eine kriegerischen Auseinandersetzung (Markgrafenkrieg) zwischen dem Markgrafen Woldemar und Fürst Heinrich von Mecklenburg um das Land, in deren Folge Stargard endgültig bei Mecklenburg verbleibt. Pommern ist durch geschickte politische Schachzüge bereits unter askanischer Lehnshoheit, das heißt; nun sind die gegnerischen Brandenburger an den Grenzen der Stadt präsent. Diese eigentlich nicht gerade förderlichen Bedingungen haben bis in das 19 Jh. hinein Bestand. Dazu nur einige Beispiele: 1403 belagern die Brandenburger Friedland; um Schlimmeres zu verhindern, öffnen die Bürger diesen die Tore und huldigen (schwören Treue und desertieren eigentlich aus Mecklenburg) dem Markgrafen. Ulrich I. von Stargard, Herzog von Mecklenburg, indes kann diese Verhaltensweise nicht gutheißen. Er zieht vor die Stadt, belagert und erstürmt sie. Als Vergeltung für den begangenen Frevel lässt Ulrich die Stadt plündern und brandschatzen. 1453 versuchen dann die unter brandenburgischer Lehnshoheit stehenden Pommern Friedland in ihre Gewalt zu bekommen. Sie ziehen allerdings beim Herannahen einer mecklenburgischen Streitmacht unverrichteter Dinge ab. Ähnliche Ereignisse ziehen sich über den Siebenjährigen Krieg bis zur napoleonischen Fremdherrschaft hin. Unter anderem führt die Existenz der “Friedländer Heerstraße“ zu immer wiederkehrenden Durchzügen, Einquartierungen und auch Repressalien durch miteinander Krieg führende Mächte.

Die klassische Zeit der Raubritter zwingt die Städte, gemeinsam gegen dieses Unwesen vorzugehen. Da sie nicht befugt sind, den Adel offen anzugreifen, wird dieser in den ausgestellten Urkunden geschickt umschrieben. Das erste in Quellen überlieferte Bündnis zwischen Neubrandenburg und Friedland zum gegenseitigen Beistand stammt aus dem Jahr 1366, dieses erneuern sie 1436 und schließen sich 1440 zur Erhaltung ihrer alten Privilegien zusammen. Im Jahr 1449 verbünden sich dann Anklam, Friedland, Lychen, Neubrandenburg, Pasewalk, Prenzlau, Strasburg und Templin zum Schutz gegen “Straßenräuber, Pferde- und Kuhdiebe, Mordbrenner und andere Friedensstörer“.

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Friedland Anfang des 17. Jh. nach einer Zeichnung aus der Landes-bibliothek Rostock (Repro. aus: G. Krüger)

 

Die wohl einschneidenste Katastrophe der Friedländer Geschichte ist der Dreißigjährige Krieg. Er beginnt für Mecklenburg zwar erst 10 Jahre später als im übrigen Deutschland, aber um so brutaler. Neben ständig wechselnder Besatzung durch die verschiedenen Kriegsgegner werden einstmals “Verbündete“ zu Feinden, stehen Raub, Mord, Vergewaltigung, Brandschatzung und Plünderung auf der Tagesordnung. Marodierende Söldnerbanden und die Pest von 1637/38, bei der 872 Bürger den Tod fanden, versetzen der Stadt fast den Todesstoß. Am Ende des Krieges liegt die einst blühende Stadt in Trümmern, nur 200 Menschen überleben. Von diesem Unbill kann sich Friedland bis in die Neuzeit nicht erholen, zumal ständig ausbrechende Brände Wiederaufgebautes vernichten. Stadtbrände sind in mittelalterlichen Städten eigentlich nicht ungewöhnlich. Die Bauweise der Häuser und Scheunen aus Holz oder Fachwerk mit Stroh-, Schilfdeckung, fehlende bzw. mangelhafte Brandschutzvorkehrungen sowie Organisationslosigkeit bei der Brandbekämpfung sind der ideale Nährboden für die Stadtbrände. Dazu kommt, das im Mittelalter eine Feuersbrunst als Gottesstrafe angesehen wird und Löschversuche deshalb anfänglich unterbleiben. Hier eine kurze Aufstellung aus-gewählter Brandkatastrophen:

- 1303: am ersten Oktober fällt ein heftiger Hagelschlag mit “feurigen Steinen“, die eine Feuersbrunst in der Stadt verursachen und Opfer unter den Menschen und dem Vieh fordern (für diese Zeit ist ein Meteoritenschauer nachgewiesen).

- 1403: Brandschatzung durch die Truppen von Herzog Ulrich.

- 1433: am 28. Mai bricht bei Bäcker Leusewitz ein Feuer aus, das sich schnell über die Stadt ausbreitet und große Teile iin Schutt und Asche legt.

- 1444: Raubritter brandschatzen Friedland.

- 1453: Die Pommern schießen während ihrer Belagerung Feuer in die Stadt, sie brennt zur Hälfte ab.

- 1472: am 15. Juni bricht ein Feuer aus, es “ward von einem versoffenem Weibe verursacht/ durch deren Verwahrlosung in der Pfaffen-Straße Feuer ausgekommen ...“.

- 1556: am Dienstag vor Pfingsten, bricht beim Böttcher Lumbecke ein Feuer aus, welchem zwei Menschen, 59 Häuser und 63 Buden zum Opfer fallen.

-1583: im Haus des Bürgers Rühlow entsteht ein Brand, 72 Häuser der Umgebung werden Raub der Flammen.

- 1628-1648: während des Dreißigjährigen Krieges brennt es häufig.

-1683: Feuer bei Hutmacher Schultz, 24 Häuser, 20 Scheunen und Ställe werden vernichtet

- 1695: entsteht bei Küter ein Feuer; das Heilige-Geist-Hospital und alle freien Buden werden eingeäschert.

- 1703: durch grobe Fahrlässigkeit des Rittmeisters a. D. Rudolf entsteht ein Flächenbrand, von den einstmals 302 Häusern werden 265 ein Raub der Flammen, die Kirchen und die Wassermühle brennen aus. Dieses Feuer geht als der “Große Stadtbrand“ in die Friedländer Geschichte ein. In den umliegenden Städten halten die Pfarrer Gedenkgottesdienste; der Mecklenburg-Strelitzer Herzog erlässt daraufhin die erste Brandschutzverordnung des Landes. Unter anderem müssen Scheunen seither außerhalb der Stadt gebaut und Häuser mit Ziegeln gedeckt werden.

- 1703: durch grobe Fahrlässigkeit des Rittmeisters a. D. Rudolf entsteht ein Flächenbrand, von den einstmals 302 Häusern werden 265 ein Raub der Flammen, die Kirchen und die Wassermühle brennen aus. Dieses Feuer geht als der “Große Stadtbrand“ in die Friedländer Geschichte ein. In den umliegenden Städten halten die Pfarrer Gedenkgottesdienste; der Mecklenburg-Strelitzer Herzog erlässt daraufhin die erste Brandschutzverordnung des Lan-des. Unter anderem müssen Scheunen seither außerhalb der Stadt gebaut und Häuser mit Ziegeln gedeckt werden.

- 1714: am 13. März brennen in der Wollweberstraße von den 27 stehengebliebenen Häusern noch einmal 25 ab.

- 1745: 4. Juli, durch Blitzschlag brennen 19 Scheunen vor dem Treptower Tor nieder.

-1756: ein Drechslergeselle schießt auf einen Vogel; als Folge dieses Jagdversuches brennen durch die heiße Kugel 4 Scheunen vor dem Burgtor nieder.

- 1767: 7. September, während eines Gewitters brennen 40 mit Getreide gefüllte Scheunen nieder

- 1800: 28. Mai, es brennen 102 Scheunen ab

Anderen Städten erging es ähnlich.

In der Folgezeit brennt es noch des Öfteren in Friedland, hierbei handelt es sich aber meist um kleinere Feuer, bei denen zumeist Scheunen vor der Stadt betroffen sind. Diese Aufstellung zeigt, dass die Brandschutzverordnung durchaus notwendig war und nach deren Durchsetzung Brände nicht mehr die katastrophalen Ausmaße erreichen, wie z.B. 1703. Die Gründung einer “Freiwilligen Feuerwehr“ erfolgt aber erst 1882.

Friedland ist bis zur zweiten Hälfte des 19. Jh. eine typische Ackerbürgerstadt, in der kleine Handwerksbetriebe und eine bescheidene landwirtschaftliche Produktion die Wirtschaft dominierten. Erst die Auswirkungen der “Industriellen Revolution in Deutschland“ bringen einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung. Zwischen 1834 und 1856 entstehen die Chausseen Friedland-Anklam, Friedland-Neubrandenburg und Friedland-Woldegk. In der Stadt selbst wird die erste Straßenbeleuchtung (Auersches Gasglühlicht) installiert.

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Der Fangelturm in Friedland Ende 18. Jh. (Repro.: Heimamuseum Friedland)

 

Die “Friedländer Zeitung“ erscheint 1860 erstmals und eine Volkszählung ergibt 5 129 Ein-wohner. Jetzt beginnt eine umfassende Wandlung der Stadt. 1870 werden die Fliesenwerke gegründet, neue Technologien ermöglichen den Abbau und die Verarbeitung des in großen Mengen anstehenden hochwertigen Tones. Gustav Caesar entwickelt das Trocken-pressverfahren und damit die Möglichkeit zur Produktion der später weltberühmten roten “Caesarplatte“. Die “Neubrandenburg-Friedländer-Eisenbahn“ (1884) ermöglicht den schnellen und kostengünstigen Transport von Produkten und Waren, die Menschen werden mobiler. Dem 1866 begonnenen Wasserleitungsbau folgt 20 Jahre später die Einrichtung eines Wasserwerkes an der Woldegker Chaussee, ab 1887 wird das Wasserleitungsnetz erweitert, 1908 der Fangelturm zur Aufnahme des Druckbehälters ausgebaut.

Auch in der Landwirtschaft führen neue Produktionsverfahren zu einem höheren Ertrag landwirtschaftlicher Produkte. Die Züchtung der Zuckerrübe sowie von Kartoffeln mit hö-herem Stärkeanteil erfordern den Aufbau einer Lebensmittelindustrie in den Städten. Ebenso zwingend ist die Installation eines geeigneten Mittels für den Transport von den Dörfern in die verarbeitenden Werke. So kommt es zur Gründung mehrerer großer Betriebe: 1890 Molkerei;1891 Zuckerfabrik; 1892 Mecklenburg-Pommersche-Schmalspurbahn AG mit Sitz in Friedland, deren Streckennetz sich zu einem der größten im damaligen Deutschland ent-wickelt; 1894 Stärkefabrik und später eine Eisengießerei. Die Bevölkerungszahl wächst bis 1900 auf 7 175 Einwohner an. Um die neuen Bahnhöfe und am heutigen Bebelplatz wachsen Villen wie Pilze aus dem Boden. Neben der Salower Straße und dem Eichenwall werden die Anklamer und Pasewalker Straße bebaut. Friedland ist innerhalb weniger Jahre zum einzig nennenswerten Industriestandort in Mecklenburg-Strelitz geworden. 1902 erhält die Stadt dann eine Gasanstalt, 1911 ein Energiewerk und 1921 ein neues Wasserwerk an der Ringstraße.

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Friedland Luftbild von 1935 (Repro.: Museum der Stadt Friedland)

 

Den Ersten Weltkrieg übersteht die Stadt relativ unbeschadet. Aber 1939 zettelt Deutschland den Zweiten Weltkrieg an. Deutsche und die mit dem nationalsozialistischen Staat verbündeten Achsenmächte verbreiten weltweit Tod, Grauen, Leid und Zerstörung. Der Krieg kehrt dahin zurück, wo er seinen Ausgang nahm, nach Deutschland.

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Friedland Stadtgrundriss von 1945 mit den schwarz eingezeichneten zerstörten Quartieren (Zeichnung: Museum der Stadt Friedland, J. Schönfeld)

von der Marienkirche über die zerstörte Stadt 1946 (Repro.: Museum der Stadt Friedland)

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Friedland wird einmal mehr von Siegern gebrandschatzt, 80 % der Altstadt werden ein Raub der Flammen. Als nach dem Krieg alles in Trümmern liegt, bauen die Bürger aus dem wenigen Verfügbaren eine fast neue Stadt. Die noch vorhandenen Industriebetriebe beginnen wieder zu produzieren. Im Schatten des durch staatliche Lenkung zur sozialistischen Großstadt auserkorenen Neubrandenburg bleibt für die umliegenden Städte in der von “Material- und Kapazitätenmangel“ geprägten DDR nicht viel zum Erhalt ihrer maroden Bausubstanz bzw. zum Neubau angemessenen Wohnraumes übrig. So kommt es, dass 30 % der Fried-länder Innenstadt nicht wieder bebaut werden können. Was nach dem Krieg stehen geblieben war, zerfällt langsam. Die noch bestehende Industrie zehrt zum großen Teil von technischen Anlagen aus dem 19. Jh. und der ersten Hälfte des 20. Jh., so dass ein Niedergang der Betriebe in Friedland zwar nicht immer zwingend, aber auch nicht zu bremsen ist. Heute, 10 Jahre nach der “Wende“, sehen wir einen beeindruckenden Wandel im Stadtbild. Aus dem „?trostlosen Nest“ entsteht eine ansehnliche Stadt, in der aber auch, wie in den meisten anderen Städten und Gemeinden Ostdeutschlands, die Menschen mit der Strukturschwäche der Region zu kämpfen haben.. Die Folge ist eine hohe Arbeitslosigkeit; junge Menschen ziehen in den lukrativeren Westen. 1989 wurden 8 369 Einwohnern gezählt, 1999 sind es 7733 und am 20. September 2000 nur noch 7 561.

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Artikel gekürzt, Autor Frank Erstling (Museum der Stadt Friedland)

Friedland Luftbild von 1996

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